Donnerstag, Dezember 03, 2009

Valeska @ Fjord, Baden

3. Dezember 2009

Der Donnerstagabend im Fjord bedeutet für mich Zurücklehnen und Geniessen. Auf der Bühne sitzen zwei Frauen, welche sich BOY nennen. Beide mit einer Gitarre auf dem Schoss. Valeska singt mit ihrer kräftigen Stimme und Sonja liefert zusätzlich die Backing Vocals.

Die Instrumentalbegleitung ist auf ein Minimum herunter gebrochen und untermalt Valeska’s Stimme ausgezeichnet. Neben den Gitarren werden auch E-Bass und Cello eingesetzt. Sogar die klavierartige Mundharmonika aus dem Kindeszimmer findet Platz auf Valeska’s Bühne. Sie versüsst unter anderem den Song „Skin“ und lässt seine Zeilen wie „you can’t get out of this skin“ noch intensiver wirken.

Das Reisen scheint ein hervorragendes Thema für Songs zu sein. Auch Valeska lässt sich von Bahnhöfen und Zügen für ihre Texte inspirieren. Aus ihrem Umzug nach Hamburg entstand „Road Trip“.

Der rechte Fuss von Sonja fesselt meinen Blick plötzlich. Sie betätigt nebst dem Spielen der Gitarre und des Singens auch noch eine Rhythmusmaschine. Ich bin irgendwie total begeistert.

Zum Schluss liefert das Publikum zu „Oh Boy“ das klatschende Schlagzeug und singt „LaLaLaLa-LaLaLaLa“ als Zugabe.

Mittwoch, November 18, 2009

Portefank @Ventil, Baden

18. November 2009

An diesem Mittwoch erwartet uns Portefank im Ventil - eine Band mit Musikern aus Zürich und Bern. Im Frühling veröffentlichten sie ihr neues Album, welches in kürzester Zeit live aufgenommen wurde.

Im Ventil sind erstaunlich viele Männer. Wir warten gespannt. Die Band taucht auf und Sänger Roger verspricht einen meist funkigen Abend mit lustigen Elementen. Schon beim ersten Song stellt sich heraus, dass das Publikum im laschen Mittwochabend-Groove ist. Der Sänger lässt sich leider davon anstecken und überträgt diese Stimmung schnell auf Mazz an den Gitarren, Suk am Bass und Bali am Schlagzeug. Ich bin überzeugt, dass auch aus diesem Mittwochabendpublikum mit etwas mehr Engagement des Frontmannes mehr herausgeholt werden kann.

Besonders beeindruckt mich jedoch der Sound von Portefank. Die Zusammenstellung der Instrumente gefällt mir sehr gut. Gitarre, Bass, Schlagzeug und Stimme erzeugen einen erdigen Sound ohne Schnickschnack. Positiv überraschen mich auch die roten und grünen Lichtsäulen, welche die Musiker in einem besonderen Licht erscheinen lassen.

„Six More Hours“ bringt dann auch einige Hüften zum Schwingen und ab und zu wird im Takt geklatscht. Und zum Gitarrensolo von Mazz in „Maybe“ kommt ein lautes Geplapper aus Barnähe, was mich nicht wirklich erfreut. Schliesslich wird es mit „Let’s Go“ nochmals rockig und auf der Bühne verfliegt der Mittwochabend-Groove plötzlich. Die Band ist voll in ihrem Element und alle kommunizieren miteinander, nicht nur Schlagzeuger und Gitarrist. Ich bekomme Lust auf mehr, es warten allerdings nur noch die Zugaben.

Portefank macht nun eine verlängerte Weihnachtspause, aber im Februar geht’s weiter...

Samstag, November 14, 2009

Stahlberger @ Kiff, Aarau

14. November 2009

Am Samstagabend finden sich einige Leute im Kiff Foyer ein und warten gespannt auf Stahlberger. Auch ich habe keine Ahnung was mich erwartet und lasse mich überraschen. Die Bühne ist vollgepackt mit Instrumenten. Fünf Männer gesellen sich dazu und Frontmann Manuel Stahlberger begrüsst uns im St. Gallerdialekt mit Berner Tempo. Wir amüsieren uns prächtig.

Viele von Stahlberger’s Texten empfinde ich als banale Alltagsgeschichten und doch denkt keiner je darüber nach. Aber Stahlberger schreibt Lieder über „Rohe Fenkel esse wie en Öpfel“ oder „Mit Luscht uf Fondue im August chasch öpis gwünne“. Zahlreiche komische Elemente bringen uns zum Schmunzeln. Immer wieder drehen sich die Liedtexte ums Essen und ums Zug fahren. Ja, er muss ein Zugliebhaber sein. So lassen sich auch seine Mini-Instrumente erklären.

Die Musik ist vielfältig. Unzählige Instrumente werden eingesetzt, was die Songs spannend macht. Für mich gibt es einiges zu entdecken. Fantastisch, jeder Ton wird live erzeugt, nichts kommt ab Computer.

Das Publikum wurde leider nicht wirklich einbezogen. Auch zwischen den Stücken zeigte sich Stahlberger eher wortkarg. So wurde das Konzert wie fernschauen. Einfach rein sitzen, zurück lehnen, zusehen.

Emotionslos, ohne eine Miene zu verziehen stand Stahlberger auf der Bühne und will uns weiss machen, dass „Autofahrer immer en Lätsch machet“. Und trotzdem sieht er es positiv, denn „Jede Scheiss isch e Chance“. Zur Zugabe treffen wir uns in der „Grüselbeiz“ und an der Grillparty unter dem Motto „Hüt wird de Nochber grilliert“.

Stahlberger’s Konzert war gemütlich, aber nicht mitreissend.

Samstag, Oktober 24, 2009

Pegasus und Ritschi @ Seifesüder Zytsprung, Leibstadt

24. Oktober 2009

Das letzte Wochenende im Oktober – wir stellen die Uhren auf Winterzeit um. Der Zytsprung ist eine dieser unzähligen Turnhallenparties, bei welchen die Schuhe am Boden kleben bleiben. Die ganze Jugend der Region ist vereint im verschlafenen Dorf am Rhein, denn die Guggemusig Seifesüder schenkt dem Partyvolk eine zusätzliche Partystunde. Die Halle ist vielleicht halbvoll, Alkohol fliesst reichlich, die Leute kennen sich, es wird viel geredet.

Kurz vor Konzertbeginn hält sich die Mehrheit der Anwesenden an den Bars auf. Die Herausforderung für die Bands besteht offensichtlich darin, Teenager, Sponsoren, VIPs und Seifesüder vor die Bühne zu locken oder zumindest zum Zuhören zu bringen.

Pegasus startet mit Vollgas, doch die Wucht von der Bühne lässt die Trinkenden und Quatschenden kalt. Die Aufforderung nach vorne zu kommen, wurde ignoriert. „Listen to the Music“ nützt nur wenig, die Leute sind nur schwierig zu motivieren, die Tanzbeine vielleicht noch zu nüchtern. Ich geniesse die gute Musik von Pegasus trotzdem. Die Qualität der Musik begeistert mich, den Rest des Publikums eher nicht so recht. Die Stimmung schwappt erst beim Blues auf das Publikum über. Und beim letzten Song füllt sich das Loch zwischen der ersten Reihe und dem Mischpult dann doch etwas besser.

Dass Ritschi ein guter Entertainer ist, das habe ich schon häufig miterlebt. Doch für diesen Abend hätte ich ihm nur einen kleinen Kredit gegeben. Die quatschende in eine mitmachende Menge zu verwandeln scheint mir unmöglich.

Doch es gibt die interessierten Leute, welche vor die Bühne strömen und sich scheu zu Ritschi’s Musik bewegen. Ich selber verschiebe mich vom Platz neben dem Mischpult wegen des hohen Geschwätz-Lärmpegels und begebe mich mehr Richtung Bühne, wo sich diejenigen Leute befinden, welche auch wirklich wegen der Konzerte da sind. Es kommen immer mehr dazu und ich bin überrascht, dass Ritschi das Volk zum Singen, Klatschen und Tanzen bringt. Ja, „mängisch bruucht's wenig, dass öppis so chunnt oder so“. Natürlich hätte der Platz in Bühnennähe noch besser gefüllt werden können und natürlich zählt dieses Ritschi-Konzert nicht zu den besten, aber Ritschi hat einmal mehr bewiesen, dass er aus jedem Publikum etwas rausholen kann. Seine Beat-Box-Einlage kommt sehr gut an, bei vielen Songs wird mitgesungen und mitgemacht. Sogar ein Gang wird durch die Mitte des Publikums gezogen, damit die beiden Hälften ausloten können, wer lauter singt. Die Band löst ihre schwierige Aufgabe gut. Gegen Ende des Konzertes habe ich jedoch den Eindruck, dass die Künstler froh sind, dass das Konzert bald fertig ist. Es hat wohl sehr viel Kraft gekostet und so gelingt auch nicht mehr alles. Aber morgen können sich die meisten Leute sowieso nicht mehr an die vergangene Partynacht erinnern.

Noch bevor die Party zur geschenkten Stunde kommt, verlasse ich die Leibstadter Turnhalle. Ich habe wohl einige Gläser zu wenig getrunken und passe überhaupt nicht zum Rest des Partyvolkes.

Donnerstag, Oktober 22, 2009

Trummer @ Fjord, Baden

22. Oktober 2009


Donnerstagabend im Fjord. Die Gitarre ist gestimmt. Die Musik von Trummer holt mich aus diesem hektischen Tag und entführt mich in einen gemütlichen Abend. Essen. Trinken. Beobachten. Zuhören. Geniessen.

Ich versinke in einer anderen Welt. In die Welt, in der ich „uf Stärnschnuppe warte ire warme Summernacht“, „dis Spiegelbild im Fänschter, di Schatte a dr Wand“ sehe und „dr Fahrplan stercher isch und dr Muet chli z’chly“. Trummer und seine Leute, der Bassist Robert Aeberhard, der Tastenmann Mik Keusen und der Schlagzeuger Muso Stamm, spielen die Songs nicht einfach, sie leben sie! Dies erzeugt eine Stimmung, die mich träumen lässt. Ich träume von den Orten, welche Trummer in den Liedtexten beschreibt und lande in den „tote Dörfer“, um dann gleich wieder „Californie im Winter“ zu erleben. „Was me mitnimmt“ ist neuer als das neueste Trummer-Album und erzählt vom Gefühl, welches man von Reisen nachhause bringt. Der Fernwehfahrer in mir ist schnell ganz weit weg und bleibt der ganze Abend dort.

Die meisten Songs sind ruhig, viele romantisch. Dann und wann lädt die Musik aber auch zum Tanzen ein, oder zumindest zum Füsse Wippen. Und der Blues kommt natürlich auch noch. Der heutige hat die Band erstmals beim Soundcheck zu diesem Konzert gespielt. Ja, „es chunnt scho guet“.

Zwei Sets quer durch Trummer’s beide Mundart-Alben konnten wir erleben. Besondere Zückerchen waren die bisher unveröffentlichten Shalalalas. Zum Schluss gibt es noch was, das „nie funktioniert, aber immer lustig ist“. Und „I hätt nie dänkt“, dass es auch wirklich so sein wird.

Ich freue mich schon jetzt auf das nächste Trummer-Konzert, um noch mehr fantastische Zeilen wie „we me nie zu öppis richtig Ja seit, de het me halt när gar nüt gschafft“ zu entdecken. Schön war’s. Doch „s Mondliecht wirft en Schatte“ und ich gehe „dr ganz Weg zrugg“ in die reale Welt.

Samstag, September 19, 2009

Bligg @ Salzhaus, Brugg

19. September 2009


Das Salzhaus ist randvoll. Von fern hören wir „Volsmusigg“, es blitzt und Bligg steht da. Die Teenager schreien und die Hände sind sofort in der Luft. Die Partystimmung auf der Bühne schwappt schon beim ersten Takt auf das Publikum über. Die Leute gehen mit, auch in den hinteren Reihen bei den in grosser Zahl anwesenden Mamis und Papis wird mitgemacht. Bligg‘s Musik vereint nicht nur verschiedene Stilrichtungen, sondern auch Generationen.

Akkordeon, Hackbrett, E-Gitarre und DJ-Pult auf einer Bühne. Dazu ein Rapper, der seine Zeilen direkt aus dem Leben schneidet. Diese Idee umzusetzen war mutig, aber die Vereinigung der Stile scheint absolut akzeptiert und sogar gefordert zu sein. Fantastisch. Ich bin begeistert.

Nicolas Senn, welcher heute seinen 20. Geburtstag feiert, spielt das schöne Hackbrettintro zu „Nur en Söldner“. Immer wieder entdecke ich ansprechende Textpassagen wie „Freiheit isch s Schönste, will mer d’Freiheit nöd chaufe chan“. Bei „Das dörfsch nöd“ greift Gitarrist Zlatko Slädu Perica kräftig in die Saiten. Ausserdem verwettet Bligg eine Menge Geld, weil die rechte Saalseite einfach lauter war. Dieser Abend hat sich für den Bassisten gleich noch mehr gelohnt. Die Lebensgeschichte von Bligg wird in „Mini Story“ ausführlich erzählt. Dieser Song ist eines meiner Bligg-Lieblingslieder, denn „S Lebe esch en Movie, de Regisseur devo bin ich“. Weiter geht es mit dem Battle von Stromgitarre und Hackbrett. Wer wohl die Läufe von Zirkus Renz schneller spielen kann? Nach dieser Anstrengung gönnen wir uns „10 chlini Appenzeller“.

Es wird ruhig im Salzhaus. Slädu packt die akkustische Gitarre aus. Bligg setzt sich auf den Barhocker. Er erinnert sich zurück an eine vergangene Liebe. Das Volk schwenkt Feuerzeuge und andere Lichtquellen. „Signal“ ist Bligg’s neue Single. „Musigg i dä Schwiiz“ entführt uns durch die ganze Schweizer Musikszene, was uns natürlich besonders freut. „D Schwiiz ohni Musigg isch es leers Sektion Kuchikäschtli...Ich chönnt nöd ohni sie“, wie wahr.

Die gefühlvolle Akkordeonbegleitung untermalt „Secondos“ perfekt. Der Immigrantensong erinnert daran, was ausländische Arbeiter für dieses Land machen und was es für deren Familie bedeutet. Immer wieder hat Bligg CDs und T-Shirts zu verschenken. Trotz grosser Hitze im Saal haben noch einige kalt und schreien danach. Auch bei „Rosalie“ kommt etwas von der Bühne geflogen. Diesmal sind es rote Rosen. Das Konzert naht dem Ende. Nach „Ciao Bella“ und dem nachdenklichen „1 Tag“ verschwindet die Band im Backstage.

Doch sie wird mit tosendem Applaus nochmals hervorgeholt. Mit „Börn Baby“ heizen sie nochmals zünftig ein. Die Temperatur ist hoch. Auf der Bühne herrscht Hochsommer. Die Shirts werden von den Körpern gerissen, die Sonnenbrille aufgesetzt und die Wasserschlacht beginnt. Zum „Rosalie“-Remix geniessen wir die abschliessende Gruppenchoreografie, welche uns zum Schmunzeln bringt.

Bligg’s Show haben wir genossen. Toll, was wir einmal mehr erleben konnten. Wir verlassen das Salzhaus schweissgebadet und gehen zufrieden in die Nacht hinaus.

Freitag, September 11, 2009

George @ Bierhübeli, Bern

Freitag, 11. September 2009

Zum Finale der aktuellen Härz-Tour locken George und seine Gäste zum grossen Abschlusskonzert im Berner Bierhübeli. Und sie kommen alle. Gross, klein, jung und alt - der Saal ist beinahe ausverkauft.

Die Band stürmt die Bühne und Schlagzeuger DeeDee Kaufmann, auf seinem Instrument stehend, bringt das Publikum sofort zum Klatschen. Sänger George Schwab startet eher verkrampft und sichtlich nervös ins Konzert. Doch schon zu Beginn ist die Stimmung bis ganz nach hinten ausgezeichnet, sogar die Frauen singen „I bi o nume en Maa“.

Bei „Halb so viel“ werden aus jeder Tasche Leuchtstäbe, welche am Eingang verteilt wurden, gefischt und während des ruhigen Titels im Takt geschwungen. Wunderschön, wie die ganzen Konzertbesucher zu dieser Überraschung für die Band beigetragen haben. Der folgende Leuchtstab-Regen auf der Bühne lässt George etwas auftauen, seine Nervosität kann er jedoch nicht ablegen.

Der erste der vier Gäste ist Caroline Chevin, welche ihr „Whatever it takes“ mit spannendem Akkordeonsound von David Brotschi im Background zum Besten gibt. Die Sängerin aus der Innerschweiz überzeugt einmal mehr mit ihrer Bühnenpräsenz und reisst das Publikum schnell mit. Es macht richtig Freude ihr zuzusehen. Im Duett mit George singt Caroline Chevin „Zrugg zu dir“.

„Sinnlos“ geht’s weiter. Der Anti-Rasersong verbreitet eine nachdenkliche Stimmung, bevor Padi Bernhard auf die Bühne kommt. Bern oder Innerschweiz? Das Duell von George und Padi Bernhard wird mit „Nid vo Bärn“ ausgetragen. Mit „Cervelatprominänt“ sind sich die beiden aber wieder einig und hüpfen auf der Bühne, bis dem einen die Puste ausgeht. Mit einigen Takten „Ewigi Liebi“ singt sich das Publikum in die Pause, welche den Rauchern eine Zigarette im Freien ermöglicht. Die Raucherpause bricht zwar die Stimmung, ermöglicht aber intensiveren Konzertgenuss ohne stickige Luft und nebelige Sicht im Saal.

Ursprünglich war der erste George-Song in englischer Sprache, doch heute heisst er „Wenn d Sunne ufgeit“ und erzählt die Geschichte dieses Typen, der erst bei Sonnenaufgang heimkommt, weil dort sowieso niemand auf ihn wartet. Deshalb packen wir unsere Koffer und landen „Uf dr andere Syte“ dieser Sonne.

In der zweiten Hälfte kommen die einheimischen Gäste zum Zug. Schöre Müller greift in die Saiten zu „Tröim wärde wahr“. Früher besuchte George die Konzerte von Span, heute steht er zusammen mit Schöre Müller auf derselben Bühne. Der Gast verschwindet nach dem Song gleich wieder, zurück an sein Konzert am anderen Ende der Stadt.

Auch der vierte Gast bringt die Stromgitarre mit. Michu schreit gleich zu Beginn ins Mikrofon. Hauptsache laut scheint sein Motto zu sein, doch mit „Vogel ohni Flügel“ überzeugt er mich nicht.

Die Seelandhymne „Hie bin i deheim“ folgt und George schaut zurück „Was für n‘es ungloublichs Jahr isch das letschte wieder gsi und glich bini froh isches jetzt verbi“. Der neuste Song, welcher den Abschluss des Konzertes bildet, schaut dann auch noch nach vorne: „Wänn chunnt de Früehlig?“ Dann soll nämlich das neue George-Album erscheinen und die Band wieder live zu erleben sein.

Der Fanclub will die Jungs nicht einfach in die Pause gehen lassen und hat für jeden ein Geschenk vorbereitet. Zur Übergabe ist George allerdings unhöflicherweise schon verschwunden. DeeDee Kaufmann springt ein und findet die dankenden Worte. Vielleicht ist George schon am Rauchen der Beruhigungszigarette. Denn auch die gute Stimmung im Publikum dämmt seine Nervosität bis zum Schluss kaum, wie er auch immer wieder in den Zeilen zwischen den Songs deutlich zu erkennen gab. Schade, kann er seine Nervosität nicht mit seiner Kommunikationsfähigkeit in Schach halten.

Bis im Frühling ist die Nervosität vielleicht im kalten Winter erfroren und wir können weitere tolle George-Konzerte erleben, wie damals auf der Wäck. Wir sind gespannt.

Mittwoch, August 12, 2009

Brienzersee Rockfestival

7. - 9. August 2009

by chregi & äschti

Wer uns kennt, der weiss, für gute Musik fahren wir weit. Und wenn uns dann noch ein wettersicheres Festivalgelände erwartet, hält uns nichts mehr im Aargau. Brienz begrüsst uns mit strahlendem Sonnenschein. Unsere Zeltstadt steht schnell, die Kleider kleben entsprechend, da liegt es nahe, dass wir das Festival mit einem Sprung in den kühlen Brienzersee starten.


Kurz vor sechs Uhr eröffnen die gestandenen Musiker von HAMSCHTER das Brienzersee Rockfestival. Sie singen sich durch ihre 30-jährige Bandgeschichte und machen Stimmung mit einigen Covers.


Am Openair Hochybrig haben wir sie entdeckt, am Bellaluna aufgefrischt und heute geniessen wir einmal mehr, die „ewigi liäbi“ mit BERNHARD (ex-mash *g*). Padi macht einen nervösen Eindruck, entsprechend fällt es ihm schwer den Draht zum Publikum zu finden, welches selbst etwas zurückhaltend ins Rockfest startet. Vielleicht liegt es ja auch an sprachlichen Schwierigkeiten. Die Präsenz und das Können des Schlagzeugers Sascha Kammermann fallen speziell auf und beeindrucken uns sehr.


Nachdem wir die Abendstimmung am See genossen haben, kehren wir schwach motiviert ins Festzelt zurück, um zu sehen, was uns AEXTRA nach unseren Schmerikoner Erfahrungen heute so bietet. Doch was für ein „nöie tag“! Gleich vom ersten Ton an springt der Funke. Die Band macht einen sehr harmonischen Eindruck, auch der Bassist gibt trotz Schlüsselbeinbruch sitzend Vollgas.


Mit einer imposanten Instrumental- und Lichtshow eröffnen PATENT OCHSNER ihr Konzert. Büne bringt uns einmal mehr die Stimme vom Mond mit und die Bläser liefern passende Choreographien zu den Songs. Auf der Bühne ist die Party perfekt, bei „w. nuss vo bümpliz“ und „scharlachrot“ dann auch im Publikum. In unseren Augen nicht wirklich Festival-tauglich ist die geplante zweifache Zugabe.


Vor einem Jahr hat sie Äschti am Openair Hochybrig entdeckt, B-STOFF – das Beste der Schweizer Mundart-Szene. Heute Abend überzeugen sie nicht wie damals. Sehr desolat finden wir, dass sie einen Song von Adrian Stern ankünden und darauf „hemmigslos liebe“ singen. Das unpassende Plüsch-Baschi-Medley erfreut unsere Ohren auch nicht wirklich. Nichts desto trotz feiern wir mit ihnen bis tief in die Nacht.

Mit einem gemütlichen Frühstück stärken wir uns für den musikalisch regnerischen Samstag. Als wir im Festzelt eintreffen, spielt DETEIL aus dem Aargau. Man munkelt, einige von ihnen seien bei Tagesanbruch noch in der Schindibar gesichtet worden, doch sie überzeugen mit ihrem Mundartrock.


Weiter geht es mit viel jugendlichen Enthusiasmus. Die Lokalmatadoren CONTAINER 6 sind jung, selbstsicher und gesund übermutig. Die vier Jungs begeistern mit ihren frischen, spritzigen Texten. Wir rocken mit und erinnern uns gerne an die Zeiten, als sie Swiss-Top Band waren und ihr Song „heidi“ am Radio lief.

Nach JURAYA, welche etwas härteren Sound machen, bringt QL das Festzelt mit punkigen Songs zum Kochen. Die Idee der nachgespielten Songs ist ähnlich wie bei B-Stoff, einfach besser, lauter und schneller. Einmal mehr fasziniert uns ihre fantastische Bühnenpräsenz.


Bei einigen Gläsern Wein an der Aussenbar geniessen wir den lauten, aber grundsätzlich guten Metalsound von CHARING CROSS, bevor wir uns auf den Zeltplatz zurückziehen.

Wenige Stunden Tiefschlaf genügen, um uns am Sonntag zusammen mit CAROLINE CHEVIN in ihren musikalischen „whirlpool“ zu stürzen. Die verschlafenen Gesichter im Publikum werden sofort von Caroline aufgeweckt und gefesselt. Das Energiebündel überzeugt mit ihrem Sound und ihrem Talent, das Volk auch nach einer kurzen Nacht zu begeistern.


Einen intensiven Anlauf auf unsere Lachmuskeln erleben wir mit BAGATELLO. Ihre einwandfreie Acapellatechnik und ihre Körperbeherrschung fallen uns besonders auf.

Einen Abstecher in die Country-Musik bringt uns SLAM & HOWIE mit. Die einzelnen Musiker fallen mit ihrer hohen Individualität auf. Das Schlagzeugsolo wird mit dem Kopf anstelle Sticks gespielt und der Bass ist mit Bierdeckeln geschmückt.

Bevor wir noch einige Takte von SHAKRA geniessen, krönen wir unser Rockfest-Weekend mit einem erneuten Sprung in den kühlen Brienzersee.


Danke „Fründä vo Brienz“, es war toll bei euch. Fantastisch, was ihr seit 22 Jahren auf die Beine stellt – weiter so!